Das Telefon inzwischen fest in Computerhand
Vor wenigen Jahrzehnten schien die Welt der Kommunikation noch feste geordnet. Man schrieb sich Briefe oder man telefonierte – über Festnetz natürlich – zu festen und abgesprochenen Zeiten. Wenn es gut lief traf man an der anderen Seite der Leitung eine (freundliche) Sekretärin die einem eventuell weiterhelfen konnte.
Heutzutage sind diese Abläufe hochgradig technisiert und laufen in Unternehmen fast ausnahmslos über Telefonanlagen. Diese laufen an einem Zentralrechner zusammen (das moderne Pendant einer Sekretärin) und verbindet so die verschiedenen Anschlüsse der unterschiedlichen Mitarbeiter miteinander. Diese können wiederum ihre Anschlüsse umfangreich individualisieren mit elektronischer Mailbox, Warteschleifenfunktion und automatischen Weiterleitungen vom Festnetzanschluss im Büro zu dem eigenen Handy. Dies macht nicht nur unabhängiger vom Festnetz, sondern lässt auch einen weitaus flexibleren Spielraum hinsichtlich des Arbeitsplatzes zu – denn das Büro ist nun quasi immer in der Hosentasche. Gleichzeitig ist mit dem Chat und dem Mailkontakt ein weiterer ernsthafter Konkurrent neben das Telefongespräch über Festnetz getreten. Obwohl in der heutigen Zeit so viel über den angeblichen Verlust von Schriftsprache und Lesekompetenz geredet wird, schreiben und lesen wir mehr als jede vorangegangene Generation vor uns. Es wird gechattet, gemailt und SMS geschrieben bis zum Umfallen. Selbst Arbeitskollegen die im selben Büro arbeiten schreiben wir lieber eine Mail als sie kurz einmal anzurufen oder sogar persönlich vorbeizuschauen. Ob dies nun ein Zeichen erodierender Kommunikationskultur ist sollte man in Frage stellen – schließlich ist das geschriebene Wort ebenso wertvoll wie das gesprochene. Und in den Zeiträumen von Avataren und Internet Präsenzen muss man wohl schlichtweg davon ausgehen, dass der persönliche Kontakt mehr und mehr in den Hintergrund treten wird.
